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Schweizerischer Altphilologenverband
Association Suisse des Philologues Classiques
Associazione Svizzera dei Filologi Classici |
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Bulletin 66/2005Inhalt
Lector benevoleSie bekommen dieses Herbstbulletin wegen des Kongresses S2 mit dem Thema "Unterrichten auf der Sekundarstufe II im Jahr 2005" früher als sonst. An diesem Kongress ist die Klassische Philologie explizit bei mehreren Veranstaltungen vertreten. Unser Kollege Klaus Bartels hält am Montag, 3. Oktober beim Eröffnungsaperitif ein Referat mit dem Titel "Die Sau im Porzellanladen. Vom Leben der Wörter". Philipp Xandry bietet ebenfalls im Rahmen dieses Kongresses Führungen durch das römische Zürich an. Am Mittwoch, 5. Oktober, findet die Jahresversammlung unseres Verbandes statt. Einladung und Traktanden finden Sie in diesem Bulletin. Der wissenschaftliche Vortrag von Prof. Dr. Peter Stotz, Leiter des Mittellateinischen Seminars Zürich, zum Thema "Lateinische Texte des Mittelalters aus dem Raum der heutigen Schweiz" ist geeignet, eine grosse Zahl von Mitgliedern zu bewegen, an der GV teilzunehmen. Denn Peter Stotz, der Verfasser der grossen fünfbändigen mittellateinischen Grammatik im Rahmen des Handbuches der Altertumswissenschaft und Herausgeber der wertvollen Sammlung "Turicensia Latina", ist ein profunder Kenner der mittellateinischen Literatur, der sich seit Jahrzehnten sehr aktiv in der Zusammenarbeit zwischen der Universität und den Gymnasien engagiert. Der Vorstand des Altphilologenverbandes möchte viele Mitglieder des Verbandes motivieren, nicht nur an der Jahresversammlung unseres Vereins, sondern auch an anderen Veranstaltungen des Kongresses teilzunehmen, der eine reiche Palette von Vorträgen, Diskussionen und Ateliers anbietet. Der wissenschaftliche Beitrag dieses Bulletins stammt von Giancarlo Reggi, dem unermüdlichen Förderer der Klassischen Sprachen in unserem italienischsprachigen Kanton. Seine Untersuchung der Terminologie von Schiffen bei Thukydides gibt einen wertvollen Einblick in ein Gebiet von Realien, das den meisten von uns fremd sein wird. Auf grosses Interesse stösst hoffentlich das Programm der Türkeireise, die unter der Führung unseres Kollegen Bruno Colpi vom 17. - 23. Oktober 2006 durchgeführt wird. Es wäre sehr schade, wenn diese Bildungsreise wegen zu wenig Anmeldungen nicht durchgeführt werden könnte. Viele weitere Mitteilungen zu Personen und Sachen, die unser Arbeitsgebiet betreffen, und die Rezensionen geben wieder einen kleinen Einblick auf die vielfältige Arbeit, die von Mitgliedern unseres Verbandes geleistet wird.
Alois Kurmann
Thematischer ArtikelLa storia della marineria greca vista da Tucidide
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| 15.15 | Assemblea generale Ordine del giorno
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| 16.15 | "Lateinische Texte des Mittelalters aus dem Raum der heutigen Schweiz" Conferenza del prof. dr. Peter Stotz, docente di filologia latina del medioevo all'Università di Zurigo |
| 17.30 | Aperitivo e cena sociale a Zurigo presso il ristorante 'Blauer Apfel' (Weinbergstrasse 92) |
Für das Nachtessen (5.10.2005; ca. Fr. 43.- ohne Getränke) bitte sich beim Präsidenten anmelden (bis 29. September):
e mail: a_jahn@bluewin.ch / Tel. 091 966 45 57 / Fax 091 966 59 55
*) Die Raumzuteilung wird durch die Leitung des "Kongresses S2" des VSG-SSPES-SSISS erfolgen, der vom 3. bis 7. Oktober in der Universität Irchel stattfindet: gegebenenfalls wende man sich bitte vor Ort an die Information des Kongresses.
Es bestehen Tramverbindungen vom Hauptbahnhof Zürich zur Universität Irchel: ab Bahnhofplatz Tram Nr. 10 Richtung 'Bahnhof Oerlikon' bis Haltestelle Irchel (13 Min.), ab Bahnhofquai Tram Nr. 14 Richtung 'Seebach' bis Haltestelle Milchbuck (9 Min.) oder ab Bahnhofstrasse Tram Nr. 7 Richtung 'Stettbach' bis Haltestelle Milchbuck (11 Min.) (in allen Fällen benötigt man noch ca. 10 Min. zu Fuss bis zur Universität Irchel).
Vom Restaurant zum Hauptbahnhof Zürich: ab Haltestelle Ottikerstrasse Tram Nr. 7 Richtung 'Wollishofen' (7 Min.).
Seit einigen Monaten ist der Bildungsserver http://www.swisseduc.ch online. Auf diesem Server steht ein grosser Teil der Unterrichts-Materialien zur Verfügung, die bisher unter http://www.educeth.ch erreichbar waren.
Leider hat die ETH nach der Kündigung des Leiters von EducETH die für den Betrieb des Bildungsservers nötigen finanziellen und infrastrukturellen Mittel nicht sprechen wollen. Die Verantwortlichen von EducETH und wir Fachmaster der beteiligten Fächer sahen uns deshalb gezwungen, den Inhalt unter einem neuen Domainnamen zur Verfügung zu stellen. Da in einigen Fächern noch nicht von allen Materialien die Autorenrechte eingeholt worden sind, ist das Angebot im Vergleich zum vormaligen EducETH in einzelnen Fächern noch unvollständig, wird aber in den nächsten Monaten sicher wieder erweitert.
Was unseren altsprachlichen Bereich betrifft, so sind sämtliche Materialien nach wie vor zu beziehen, in der gleichen Struktur wie bisher. Man braucht bloss die Adresse zu ersetzen: Anstelle von http://www.educeth.ch/altphilo heisst es jetzt
http://www.swisseduc.ch/altphilo
Am 13. Juni verstarb im 84. Lebensjahr Prof. Dr. Josef Delz.
Prof. Delz, 1922 in Möhlin geboren, studierte in Basel Klassische Philologie, Deutsche Philologie und Vergleichende Sprachwissenschaft. Seine wissenschaftlichen Interessen führten ihn nach der Promotion nach Oxford und München. Nach der Habilitation im Jahr 1966 folgte er 1968 einem Ruf an die Freie Universität Berlin. Von 1970 bis zu seiner Emeritierung 1987 wirkte er schliesslich als Ordinarius für Lateinische Philologie an der Universität Basel. Im Studienjahr 1979/80 war er Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät.
Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit und akademischen Lehre stand für ihn die Philologie in ihrem besten Sinn: Textedition und Textkritik. Prof. Delz verdanken wir die erste und einzige kritische Edition der Punica des flavischen Epikers Silius Italicus (1987), eine kritische Edition des Agricola des Tacitus (1983) sowie wegweisende Forschungen zur Geschichte der Textüberlieferung der lateinischen Literatur, vor allem zu Horaz, Tibull, Ovid und Martial. Von 1994 bis 2002 leitete Prof. Delz als Präsident die Internationale Kommission des Thesaurus Linguae Latinae, für den er über 50 Jahre unermüdlich tätig war. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit bedeutete ihm das Leben im Kreis seiner Familie sehr viel; da kamen seine Liebe zur Musik, aber auch seine vielfältigen naturkundlichen Interessen zur Geltung; sein Heim in Binningen und sein geliebtes Engadin boten dazu den Rahmen.
Die Lateinische Philologie verliert mit Prof. Delz einen Klassischen Philologen, der bei all seiner vorbildlichen Bescheidenheit als Gelehrter ein wissenschaftliches Werk hinterlassen hat, das höchste Anerkennung verdient und das dank der Grundlagenforschung, zu der sich Prof. Delz gerne bekannt hat, schon jetzt beanspruchen darf, ein opus perenne zu sein.
Im vergangenen Juni verstarb Josef Delz in seinem 84. Altersjahr. Viele unserer Mitglieder werden ihn noch vor sich sehen, berichtete er doch bis ins Jahr 2000 regelmŠssig an unseren Jahresversammlungen von der TŠtigkeit der Schweizerischen Thesauruskommission (seit 2001 ist diese in die Schweizerische Vereinigung fŸr Altertumswissenschaft eingegliedert). Zu seinen Aufgaben gehšrte, die Stipendiaten auszuwŠhlen und zu begleiten; viele werden sich dankbar daran erinnern. Gleiches gilt fŸr seine zahlreichen SchŸler: Josef Delz war nach einem kurzen Gastspiel in Berlin von 1970-1987 Ordinarius fŸr Lateinische Philologie an der UniversitŠt Basel gewesen.
Josef Delz war ein typischer Vertreter der âBasler SchuleÕ: editorische TŠtigkeit und Emendation der Texte standen fŸr ihn im Mittelpunkt. Hingewiesen sei hier nur auf seine Edition der Punica des Silius Italicus Ð es ist die erste und einzige kritische Ausgabe dieses Werks Ð und die kritische Edition des Agricola des Tacitus.
Anstelle einer WŸrdigung seiner Person und seines wissenschaftlichen Werks, die an anderer Stelle erfolgen wird, mšchte ich hier etwas weitergeben, das vielleicht auch heute noch eine Anregung fŸr den Schulunterricht geben kann. Seit seiner Zeit am Thesaurus, wo er das Wort iniuria bearbeitete, hat sich Josef Delz immer wieder zu juristischen Fragen hingezogen gefŸhlt. Ein bis heute grundlegender Aufsatz galt dem âGriechischen Einfluss auf die ZwšftafelgesetzgebungÕ (seine Probevorlesung fŸr die Habilitation an der Basler FakultŠt). Im Sommer 1974 hielt er eine Vorlesung unter dem Titel âRšmisches Recht fŸr Nichtjuristen, dargeboten von einem NichtjuristenÕ. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem seine Behandlung der 1. Satire des 2. Satirenbuchs des Horaz.
Horaz steht vor der Frage, ob er seinem erfolgreichen 1. Satirenbuch ein zweites folgen lassen soll (eine Frage, die sich Schriftstellern in Šhnlicher Form immer wieder gestellt hat). Er kleidet seine †berlegungen in die Form einer consultatio beim berŸhmtesten Rechtsgelehrten seiner Zeit, C. Trebatius Testa. Dieser antwortet mit einem einzigen Wort: Quiescas. Eine BegrŸndung gibt er nicht. Das ist typisch fŸr die klassischen ršmischen Juristen (anders wird es dann bei Justinian); auf Gesetze beriefen sie sich grundsŠtzlich nicht, es galt ihre AutoritŠt. Die Antwort auf eine Bitte um PrŠzisierung ist noch kŸrzer: Ja (Aio). Es folgt ein juristisch verbrŠmter medizinischer Rat. Die bewusste Umbiegung der Bedeutung von malum carmen im Folgenden hat Generationen von Juristen in die Irre gefŸhrt. Im Zwšlftafelgesetz ist damit âVerhexungÕ (= incantamentum) gemeint. Daneben gab es ein Verbot des SchmŠhgedichts Ð darauf bezieht sich die Auskunft des Trebatius. Die bis heute nicht sicher erklŠrte Schlussantwort des Juristen bedeutet wohl âunter diesen UmstŠnden wird der Prozess nicht weitergefŸhrtÕ.
Mit der Erinnerung an dieses Beispiel fŸr die Verbindung von juristischen Interessen mit literarischer Interpretation mšchte ich Josef Delz fŸr das Empfangene danken.
Um 1930 haben die amerikanischen Forscher Edward Sapir und Benjamin Lee Whorf eine nach ihnen benannte linguistische Relativitätstheorie aufgestellt, die im Kern besagt, dass jede Sprache für ihre Benutzergemeinschaft auf eine ganz besondere Weise die Welt zerlegt, interpretiert und begreiflich zu machen sucht. Die Kenntnis des jeweiligen linguistischen Kodes gebe eine Art Schlüssel zur Hand, der einem den Zugang erschließe zur vorherrschenden Art der praktischen Alltagsbewältigung, zu den charakteristischen Verfahren des Denkens, kurz, zum gesamten Weltverständnis einer Sprachgemeinschaft. In ihrem entwaffnend naiven "Optimismus" haben die Amerikaner sogleich eine "Ford Foundation" ins Leben gerufen, um die Sache bis zur Anwendbarkeit zu erforschen. Jeder künftige Diplomat sollte dann in einem Intensivkurs den linguistischen Kode seines Ziellandes studieren und damit den Universalschlüssel für die tiefere Wesenserkenntnis des fremden Landes ausgehändigt bekommen. Für unsere wichtigen Sprachen in Europa gibt es einen solchen aufschlussreichen linguistischen Gesamt-Code - in der klassischen Klarheit eines Ur-Prägestempels - schon seit zweitausend Jahren: Latein. Wenn es richtig ist, dass eine Sprache mit ihrer Grammatik und mit ihrem aus geschichtlicher Erfahrung erwachsenen Zeichenvorrat das Medium allen Denkens in ihr vorgibt, dann ist elementar eingeübtes kritisches Bescheidwissen darüber für eine verantwortete Existenz unverzichtbar. Hat aber das Lateinische wirklich eine so zentrale Schlüsselstellung für eine tiefere Erschließung europäischen Wesens? Historisch ist der Befund eindeutig: Die Völker, die sich nach dem Ende des Imperium Romanum in Europa allmählich konstituierten und sich als die großen westlichen Kulturnationen im Lauf von Jahrhunderten entfalteten und sich nach und nach mit weltweiten Auswirkungen durchgesetzt haben, sind alle entscheidend aus dem Nährboden Latein gewachsen.
Wissen ist die Frucht einer bitteren Wurzel, die Lernen heißt, sagt Solon, einer der sieben Weisen der Antike. Heute wird uns indes vorgegaukelt, es gäbe mühelosen Wissenserwerb per Mausklick. Latein ist keins der "Laberfächer", von denen der Schüler selbst unzufrieden merkt, dass solcher Unterricht ihn unterfordert und seine Zeit verschwendet. Mit Genugtuung über die erbrachte Leistung belohnt wird man nur nach Maßgabe der Mühe, die man in etwas investiert hat. Erfolg im Lateinunterricht setzt unerbittlich dieses Eine voraus: immer das Ganze im Blick haben! Wer Latein übersetzt, muss alle Satzteile logisch erfassen und die Zuordnungen der einzelnen Wörter klären. Immer hat sich der Schüler mit dem ganzen geistigen Gefüge eines Satzes auseinanderzusetzen. Auf Grund des modellhaften Formenreichtums muss er ständig die möglichen Formveränderungen nach Kasus, Numerus, Genus, Tempus, Modus "durchchecken". Das ist ständige, zwingende Denkerziehung auf die Konstruktion des Ganzen hin. Gültige Lösungen gelingen dabei nur, wenn Kenntnisse, Verstand, Logik und Intuition/ Fantasie zusammenwirken! Das scheint mir die ideale Voraussetzung gerade für einen Erfolg in den Naturwissenschaften zu sein. Das ist Lernen von vernetztem Denken, das diesen Namen verdient - und nicht das, womit die Computerverkäufer die beflissenen Höflinge des Zeitgeistes jetzt sogar im Schulbereich ködern! In Latein gilt praktisch jede Übersetzung als der Lernzielebene des problemlösenden Denkens zugehörig. Bei Übersetzungen aus dem Englischen oder Französischen kommt der Schüler fast immer mit wortwörtlichen Folgen und etwas Sprachgefühl zurecht. Schülern, die Latein erst nach einer modernen Fremdsprache lernen, ist deshalb die analytisch konstruierende Übersetzungsumsicht schon fast nicht mehr zu vermitteln: Es geht der Gewohnheitsweg ihrer Gedanken von der sinntragenden Silbe des einen Wortes zu der des nächsten - meist ohne die Endungen allen Ernstes zu berücksichtigen ... was bei der beliebigen Kombination der Wörter dann herauskommt, hat nur eine geringe "Trefferaussicht". Natürlich stellt jedes Fach den Anspruch an sich, den Schüler im Erfassen struktureller Zusammenhänge zu üben, genaues Hinsehen zu trainieren, zur selbstständigen Klärung und Lösung von Verwickelt-Komplexem anzuleiten. Aber im Lateinischen ist das conditio sine qua non! Vielleicht muss man dann später kein teures Modeseminar im "Systemischen Management" mehr absolvieren... Latein also als eine Art Integrationsinstrument des Wissens.
Studienwoche mit 'Schweizer Jugend forscht' am Klassisch-Philologischen Seminar der Universität Zürich vom 27.11.-2.12.2005
Grenzen sind für das Denken, für das Erfassen der Welt, des Eigenen und des Fremden ganz unentbehrlich. Wäre alles grenzenlos, so hätte nichts eine klar umrissene Gestalt, und nichts wäre zu 'de-finieren', im Sinne von 'ab-grenzen'. Und doch sind Grenzen oft ganz willkürlich gesetzt, in der Natur wie in der Gesellschaft und in der Religion. Auch in der Antike war man sich der Allgegenwärtigkeit von Grenzen bewusst und diskutierte ihre Bedeutung in den verschiedensten Bereichen.
In dieser Woche werden sich die Schülerinnen und Schüler in einer Kleingruppe unter Leitung von erfahrenen Studierenden mit einem der folgenden Themen intensiver beschäftigen können: Grenzen und Unbegrenztes als zentrale Kategorien in der griechischen Erklärung des Ursprungs und des Funktionierens von Welt und Natur, Festlegung und Überwindung von Grenzen in antiker Kultpraxis, Beschreibung von Völkern an der Grenze der bekannten Welt und Überwindung sprachlicher Barrieren. Im Zentrum werden dabei Texte im Original und in Übersetzung stehen, an denen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit anderen wissenschaftliches Arbeiten erproben können. Am Ende der Woche tragen sie ihre Resultate vor der gesamten Gruppe vor und schreiben dazu einen kurzen Bericht.
Vorgesehen sind auch eine kleine Exkursion durch das römische Zürich und in die Zentralbibliothek sowie der Besuch eines Seminars und einer Vorlesung.
Weitere Informationen zur Studienwoche bei:
Beate Beer, Tel. 044 634 20 55, oder unter: www.sjf.ch/studienwochen/jahresprogramm.htm
Anmeldeschluss: 30.9.2005
Comme annoncé dans le dernier Bulletin, nous mettons sur pied, pour septembre 2006, un voyage d'étude en Asie Mineure selon l'itinéraire imaginé par notre collègue Bruno Colpi d'Olten. Les étapes principales sont résumées ci-dessous ; les visites seront guidées en allemand par Bruno Colpi et en français par un guide local.
Si les dieux du pétrole nous sont favorables, le coût de ce voyage devrait être légèrement inférieur à CHF 2000.- (demi-pension), à quoi s'ajoute une finance d'inscription (WBZ CPS) de CHF 350.- .
Nous ne publierons le cours que si un nombre suffisant de nos membres manifeste de l'intérêt. C'est pourquoi nous prions ceux qui envisagent de participer de nous le faire savoir par mail (christine_haller@hotmail.ch ou Bruno.Colpi@dbk.so.ch) jusqu'au 15 octobre 2005.
| samedi 16 septembre 2006 | ZURICH/GENÈVE - ISTANBUL - CANAKKALE |
| dimanche 17 septembre 2006 | CANAKKALE - TROIE - ASSOS - AYVALIK |
| lundi 18 septembre 2006 | AYVALIK - PERGAME - IZMIR |
| mardi 19 septembre 2006 | IZMIR - SARDES - PAMUKKALE |
| mercredi 20 septembre 2006 | PAMUKKALE - HIERAPOLIS - APHRODISIAS - NYSSE - KUSADASI |
| jeudi 21 septembre 2006 | KUSADASI - PRIÈNE - MILET - DIDYMES - KUSADASI |
| vendredi 22 septembre 2006 | KUSADASI - ÉPHÈSE - KUSADASI |
| samedi 23 septembre 2006 | KUSADASI - IZMIR - ISTANBUL - ZURICH/GENÈVE |
Outre les exposés et animations qui sont au programme du Congrès S2 de Zurich, des cours sont proposés par d'autres instances que notre association (cf. www.webpalette.ch ou www.wbz-cps.ch) . C'est ainsi que nous pouvons vous signaler les deux jours de réflexion interdisciplinaire consacrée à L'abandon des langues anciennes : risque d'une amnésie culturelle ? à Morat les 23-24 mars 2006 et Computernutzung im Altsprachlichen Unterricht en mars/avril 2006 à Zurich.
Il revenait à l'association croate des philologues classiques d'organiser, dans le cadre de son congrès annuel, la réunion 2005 des délégués des associations membres d'Euroclassica. C'est donc à Dubrovnik, autour du thème Patrimonium in manuscriptis conservatum, que nous nous sommes rencontrés pour écouter une série de conférences (la plupart en croate, mais avec traduction anglaise) portant sur la littérature d'expression latine d'auteurs originaires de Croatie. Il est peut-être bon de signaler que le latin est resté langue officielle de l'administration croate jusqu'au milieu du 19e siècle. Cela explique sans doute cette abondante production d'ouvrages à caractère non seulement philologique et scientifique, mais aussi poétique. On notera au passage des épopées religieuses de plusieurs dizaines de milliers de vers !
Une partie plus directement pédagogique autour de l'utilisation de manuscrits en classe a permis de sortir du cadre strictement local. Il en est allé de même pour un atelier d'une demi-journée consacré aux TIC et en particulier au site www.euroclassica.net appelé à se développer et à fournir informations et ressources aux euroclassicistes, chaudement invités par ailleurs à étoffer le site (sur lequel on devrait trouver du reste tous les documents relatifs au congrès).
Nous avons également eu l'occasion de découvrir la ville de Dubrovnik et ses trésors sous un aspect ciblé qui échappe d'ordinaire aux touristes : bibliothèques, manuscrits, éditions des textes mentionnés dans les conférences... Des gymnasiens, pourtant en vacances, avaient préparé, sous la houlette de leur professeur, une soirée théâtrale lors de laquelle ont été récités ou chantés des textes en grec et en latin en rapport avec Dubrovnik, de même que la légende d'Europe dans sa version ovidienne. La performance des élèves s'accordait parfaitement au cadre admirable du théâtre Marin Držic. La côte dalmate ensuite nous a dévoilé ses charmes lors de l'excursion accomplie sur les ruines de la villa romaine de Mogorjelo. Le dernier jour était entièrement consacré à l'assemblée générale d'Euroclassica. On y a entendu, entre autres, des rapports assez pessimistes quant aux conditions d'enseignement des langues anciennes dans plus d'un pays, faisant bizarrement écho à de supposées statistiques optimistes, mais secrètes, dans un autre : que ne fait-on pas dire aux statistiques ? En dépit de tout cela, le délégué autrichien travaille d'arrache pied à un curriculum européen pour le latin et le grec qui, idéalement, ferait débuter l'apprentissage de ces langues à l'âge de dix et douze ans. Wanted : des parlementaires européens susceptibles de soutenir le projet en assemblée.
Nach Hannibal, Theodosius und Theoderich erschien mit Kaiser Julian der vierte Band in der Reihe Gestalten der Antike. Diesmal ist es Klaus Bringmann, Emeritus der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt a.M. und bekannt durch verschiedene Monographien, vor allem zu Republik und früher Kaiserzeit, der uns durch das Leben des Abtrünnigen führt.
Julian Apostata war zwischen November 361 und Juni 363 n.Chr. nicht nur der letzte heidnische Herrscher an der Spitze des Römischen Reichs, vor allem der Kaiser, "der in letzter Stunde den Strom der Geschichte umkehren wollte", wie Bringmann in der Einleitung schreibt (S. 16). Damit ist angedeutet, was im Zentrum jeder Julian-Biographie stehen muss, nämlich dessen Versuch, den rasanten Aufstieg des Christentums und seiner Anhänger in Politik und Gesellschaft des vierten Jahrhunderts zu stoppen und das Imperium wieder auf das Fundament seiner klassisch-heidnischen Traditionen zu stellen. Bringmann schildert in streng chronologischer Abfolge, wo und unter welchen Einflüssen in Julians Kindheit und Jugend seine spätere Restaurationspolitik ihren Nährboden hatte: in den traumatisierenden Erlebnissen der Ermordung seiner nächsten Verwandten (338 n.Chr.), in den Exiljahren in Kappadokien (342-348), vor allem aber in seiner Begeisterung für die neuplatonische Philosophie, insbesondere für Maximus von Ephesos.
Nach der Zeit als Mitregent (ab 355 n.Chr.), der Usurpation des Augustus-Titels in Gallien (360) und dem Tod Constantius' II. (3. Nov. 361) beginnt die Zeit der Alleinherrschaft. Bringmann hält sich auch hier vornehmlich an den Ereignisverlauf, schafft es aber trotzdem, bestimmte Konstanten und somit ein Gesamtbild der Regierungszeit Julians herauszuarbeiten. Insbesondere zeigt er, wie philosophische Studien und eigenes Schreiben dem Kaiser einerseits Fundierung seiner religionspolitischen Konzeption, andererseits Mittel zur Verarbeitung von Enttäuschungen auf dem politischen Feld waren. Bringmann bespricht Julians Werke jeweils auf wenigen Seiten, so z.B. die an Senecas Apocolocynthosis angelehnte Satire Caesares (S. 107-111), den Hymnos Auf König Helios (S. 143-147) oder den Barthasser (S. 160-168). Der Leser erhält dabei eine kurze Inhaltsangabe sowie eine Einordnung in den politischen, literatur- und philosophiegeschichtlichen Kontext. Leider fehlt ein Sachregister, welches die Biographie auch als Nachschlagewerk zu den Werken Julians nutzbar machen würde.
Bringmann zeigt Julian als Herrscher mit einer "Vision" (S. 188), die ihn zu weiter reichenden Massnahmen als manchen Vorgänger greifen liess. Er bekämpfte das Christentum nicht mit den üblichen Verfolgungen, sondern wollte es "mit seinen eigenen Waffen - durch die Gründung einer kirchenähnlichen Organisation des Heidentums - schlagen" (S. 123). Und er verlangte mehr als Lippenbekenntnisse, "er wollte gläubige Heiden ... und damit überforderte er die Mehrheit der religiös Indifferenten", bilanziert Bringmann (S. 190). Kein Wunder, dass so radikales Denken auf dem römischen Kaiserthron, wo sonst Pragmatismus und Opportunismus herrschten, Julians Charakterbild bis heute in der Geschichte schwanken lässt. Schade, dass Bringmann diesem kontroversen Nachleben kein eigenes Kapitel widmet!
Ausgehend von der Rede des Apollodoros, Gegen Neaira [eine neue Ausgabe mit deutscher Übersetzung ist eben erschienen: Kai Brodersen, Frauen vor Gericht: Antiphon, Gegen die Stiefmutter und Apollodoros, Gegen Neaira (Demosthenes 59), Texte zur Forschung, Darmstadt 2004], beschreibt die Autorin die Lebensgeschichte einer Prostituierten im antiken Griechenland des 4. Jh. v.Chr.
Neaira, eine Frau Mitte Fünfzig, ist angeklagt, als Fremde - sie stammt aus Megara - unrechtmässig mit einem athenischen Bürger in ehelicher Gemeinschaft zusammenzuleben. Der Ankläger versucht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Frau in der Öffentlichkeit zu demütigen, indem er sensationelle Details aus ihrer Vergangenheit - sie hatte als Prostituierte in einem Bordell in Megara gearbeitet - ausgräbt oder erfindet.
Ausgehend von dieser Rede bietet die Autorin einen Einblick in das Rechtswesen im antiken Athen, daneben benutzt sie die Rede als Quelle für unzählige Themen der Sozialgeschichte: Prostitution, Ehebruch, Sklaverei, religiöse Bräuche etc, die sie auf überaus spannende Art mit der Lebensgeschichte der Neaira verbindet.
Apollodoros ist Neaira gegenüber feindlich eingestellt; deshalb müssen seine Informationen zur Biographie Neaira mit kritischer Vorsicht betrachtet werden.
Wie die Autorin mit akribischem Spürsinn versucht, Apollodoros' Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, ist ein weiterer Aspekt, der die Lektüre dieses Buches nicht nur empfehlenswert, sondern zu einem wahren Genuss macht.
"Die Welt gerät in Bewegung": So überschreiben Felix Müller und Geneviève Lüscher in ihrem Keltenbuch den zweiten von drei Hauptteilen, der die frühe Latènezeit (450-250 v.Chr.) mit der Ausbreitung der keltischen Kultur nach Süden und Osten zum Inhalt hat. Neuste Erkenntnisse der Archäoklimatologie ("ein eigentlicher Klimasturz bald nach 400 v.Chr.", S. 68) kommen hier ebenso zur Sprache wie der Helvetier Helico, der damals einige Zeit als 'Gastarbeiter' in Rom gelebt haben soll (vgl. Plin. nat. 12, 5) und der um 300 v.Chr. auf einer etruskischen Tonschale in Mantua bezeugte ELUVEITIE - "Helvetier" (S. 68f).
Die Epoche davor, die "Ruhe vor dem Sturm (800-450 v.Chr.)", markiert den Beginn der Eisenzeit, ohne dass die zuvor dominierende Bronze sogleich abgelöst wurde: "Eisen war ein typisch männliches Material. Die Frauen zogen für ihren Schmuck weiterhin die goldglänzende Bronze vor", bringen Müller/Lüscher hier Technik- und Geschlechtergeschichte auf einen gemeinsamen Punkt (S. 37). "Auf dem Weg zur Hochkultur (250 v.Chr. - Christi Geburt)" sind dann Technik und Organisation der Metallverarbeitung soweit fortgeschritten, dass die Autoren von einer "Entfaltung in Richtung Industrialisierung" zu sprechen wagen (S. 136).
Die genannten Beispiele können bloss andeuten, mit welchen Mitteln es Müller/Lüscher ausgezeichnet gelingt, unsere (in welchem Mass auch immer vorhandenen) Vorstellungen von der Welt der Kelten in Bewegung zu bringen: Darstellung menschlicher Einzelschicksale einerseits (etwa auch das Kapitel "Eine Karthagerin am Genfersee?", S. 71-74), Vermittlung epochenübergreifender Zusammenhänge andererseits; Erschliessung der keltischen Lebenswelt in traditionellen, aber auch in scheinbar anachronistischen Kategorien (Siedlungs- und Religionsgeschichte; Kleidermoden und gender history), die aber immer auf der sorgfältigen, stets auch für den Laien verständlichen Beschreibung und Interpretation der zahlreichen archäologischen Funde aufbaut, die in der Schweiz (und ausserhalb) in den letzten Jahren und Jahrzehnten gemacht wurden. Fast alle besprochenen Fundgegenstände sind zudem durch Fotographien, Rekonstruktionszeichnungen und Pläne veranschaulicht - ein Genuss für's Leserauge und eine Fundgrube für stets um Visualisierung bemühte Lehrpersonen. Ebenso nützlich ist ein kommentiertes Verzeichnis der "wichtigsten keltischen Fundorte in der Schweiz" und der "Schweizer Museen mit bedeutenden Funden aus keltischer Zeit" im Anhang. Das Einleitungskapitel (S. 9-27) widmet sich der Geschichte der Keltenforschung im allgemeinen und der schweizerischen 'Grabungsgeschichte' im speziellen, zwei kurze Schlusskapitel behandeln Cäsar und die gallo-römische Kultur (S. 152-165).
Fazit: Die Kelten in der Schweiz von Felix Müller und Geneviève Lüscher sollten künftig in jeder Schulbibliothek zu finden sein!
Bücher über griechische Mythologie gibt es mehr als genug. Dieses hier hat aber einen besonderen Ansatz. Der Verlag, der sich als Herausgeber wirklich brauchbarer Karten Griechenlands einen Namen gemacht hat, hat dem Buch 53 doppelseitige Karten beigegeben, von denen der Benutzer ausgehen kann. Will er sich z.B. informieren, was es denn südlich von Patras an Erwähnenswerten gibt, findet er in Elis das Symbol für "Archaeological site of major importance", dazu Verweise auf die Kapitel 2 (Hades, es hatte dort ein Hadesheiligtum), 48 (Herakles), 50 (Theseus) und 51 (Argonauten, unter denen auch Augeias war.). Wenn man schon dort ist, findet man bei Pylos am Pinios-See das Symbol für "Foundations, remnants of walls" und Hinweise auf 48 (wieder Herakles), 41 (endgültiges Versteck für die Rinder, die Hermes gestohlen hat) und 2 (Hades hat hier mit den Einheimischen gegen Herakles gekämpft und wurde am Rücken verwundet). Der Textteil behandelt 100 Sagenkomplexe von Acheloos bis Otos und Ephialtes (die Reihenfolge der Kapitel folgt dem griechischen Alphabet). Jedes Kapitel gibt zu jedem Ereignis Stellenangaben, viele Zitate (Originalzitate griechisch und lateinisch, dazu eine englische Übersetzung) und hervorragende Photographien der Landschaften. Selbstverständlich findet man in den Textkapiteln auch Hinweise darauf, wo der betreffende Ort auf der Karte zu finden ist. Der Textteil ist mit einem Index of persons erschlossen, der Karttenteil mit einem Index of ancient sites (S. 426-495, dreispaltig). Das Buch ist also in vielfacher Weise nützlich: als mythologischer Atlas, als Lexikon mit vielen Stellenangaben und Zitaten oder als mythologischer Reiseführer. Ich bin überzeugt, dass viele Kolleginnen und Kollegen es gerne benützen werden.
Liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Dozentinnen und Dozenten,
es ist ein offenes Geheimnis, dass Medien an Schulen häufig ohne die erforderliche Lizensierung genutzt werden. Wir können das nicht verhindern - schließlich wollen wir, dass unser Film von möglichst vielen, gerade jungen Menschen gesehen wird und interessieren uns sehr für deren Blick auf unsere Umsetzung.
Wir möchten Sie aber auf Folgendes hinweisen:
Die Produktion des Films "Singe den ZORN" hat für das Dramatische Theater eine erhebliche, ja: existentielle Investition bedeutet. Bedenken Sie bitte, dass für derartige Produktionen die Film- und Fernsehbranche heutzutage nicht zu gewinnen ist. Unser einziger Sponsor hieß (und heißt) Homer.
Nur wenn uns "Singe den ZORN" nicht in den Ruin stürzt, werden wir eine nächste Produktion realisieren können.
Bitte überlegen Sie sich doch, mit welchen Maßnahmen auch Sie persönlich den Erfolg dieser waghalsigen DVD unterstützen können - auch und gerade, falls Sie die Lizensierung nicht erwerben.
Mit kollegialen Grüßen!
Ihr DRAMATISCHES THEATER - FILM + VERS, Berlin
P.S.: Die Lizensierung (Schullizenz ohne Verleihrecht, befristet auf 5 Jahre ab Erwerb) ist zum günstigen Preis (Ausland) von EUR 129,31 erhältlich.
Dass im alten Rom die meisten Leute mit Einbruch der Dunkelheit zu Bett gingen, ist kaum erstaunlich, zumal Rom nicht beleuchtet war. Das heisst aber keineswegs, dass es dort kein Nachtleben gab, das die Nachtschwärmer mit Trinken, verbotenem Glücksspiel und erotischen Angeboten reizte. Minutiös und nachvollziehbar gewinnt der Autor den spärlichen und häufig literarischen Quellen, die nicht unbedingt ein allgemeingültiges Bild vermitteln, die Tatsachen ab. Dies tut er in neun Kapiteln mit griffigen lateinischen Überschriften wie popina, infamia, grassatio und erklärenden Untertiteln; dabei versteht er es, in einer lockeren modernen Sprache, gleichsam im Plauderton, den Leser durch immer wieder eingestreute plastische Anekdoten - über den spielsüchtigen Augustus, den Falschspieler Caligula, den sittenstrengen Cato als Zecher oder Nero als Bandenkriminellen (grassator) u.a. - zu erheitern und sachlich fundiert zu informieren. So erfährt der Leser beispielsweise, dass in der taberna vor allem Wein konsumiert, in der popina hingegen auch gegessen werden konnte, allerdings bescheiden, da es keine "gehobene Restaurationskultur" (S. 21) gab; ferner dass das Wirtshaus überhaupt ein locus inhonestus war, wo "Männer von Stand nichts zu suchen" hatten (S. 20); dass sexuelle Beziehungen zu Prostituierten nicht als Ehebruch galten, ganz einfach weil diese "in der ehrenwerten Gesellschaft nicht zählten" (S. 64). Das alles wird durch passende Abbildungen und Originaltexte - meistens in deutscher Übersetzung, bei kürzeren prägnanten Stellen auch mit lateinischem Original - in bekannter Weeberscher Manier (vgl. die beiden Lexikonbände Alltag im Alten Rom) angereichert. Neu dabei sind an den Seitenrändern senkrecht angeführte Abschnittstitel mit passenden Figürchen - womit offensichtlich dem optischen Konzept des Zeitgeistes Genüge getan ist. Wenig geglückt sind m.E. Sätze am Kapitelende wie: "Ob das die Wahlchancen des Kandidaten verbessert hat?" (S. 42: vgl. auch S. 18; 142). Sehr nützlich ist der Anhang mit Abkürzungsverzeichnis, Anmerkungen (S. 160 Anm. 72 und 73: Aul(ularia) ist in Asin(aria) zu korrigieren), Literaturverzeichnis und Bildnachweis.
Die neue Reihe "Edition Antike", die Leseausgaben herausbringt (also einen anderen Zweck hat als die Reihe "Texte zur Forschung") bietet die seit der Übersetzung der lysianischen Reden durch F. Baur 1868 erste deutsche Übersetzung aller Reden dieses Logographen, der zu Recht auch heute in den Gymnasien noch präsent ist. Der 1. Band bietet als Einleitung kurze biographische Angaben zu Lysias und zur politischen Situation in Athen zu seiner Zeit, klare, präzise Ausführungen zum Prozessverlauf und zu den einzelnen Gerichtsgremien, zu Geldwert und Kaufkraft und zum Aufbau der Gerichtsreden. Das sind informative Hilfen, die man gerne benutzt. Vor dem Text und der Übersetzung wird eine kurze Inhaltsangabe der Reden 1-15 gegeben, nach dem Text stehen am Ende des Bandes wenige, aber notwendige Anmerkungen. Der 2. Band enthält Inhaltsangaben zu den Reden 16-35, Text, Übersetzung und Anmerkungen. Ebenfalls enthält dieser 2. Band verschiedene Register der historischen Personen, Götter, Feste, Sitten, Kalender, Orte, Ereignisse und vorkommender juristischer, politischer und wirtschaftlicher Begriffe; eine kurze Literaturliste schliesst das zweibändige Werk ab.
Die kontinuierliche Lektüre der Übersetzung der Reden lässt einen gut lesbaren, flüssigen, in heutigem Deutsch verfassten Text erkennen, der der Diktion des Lysias entspricht; rechtliche Begriffe werden differenziert wiedergegeben. So bieten diese Bände die Gewähr, dass auch Leserinnen und Leser, die die lysianischen Reden nicht im Original lesen können oder wollen - eingeschlossen unsere erste Kundschaft, die Griechisch Lernenden - das psychologische Einfühlungsvermögen des Lysias, das immer wieder gerühmt wird, zu erleben vermögen; aber auch die Fülle der konkreten Angaben und Gegebenheiten aus dem athenischen Alltagsleben und die Farbigkeit der Aussagen, die Lysias durch seine schlichte Wortführung erreicht, bringen diese beiden Bände mit dieser leserfreundlichen Übersetzung einem breiteren Publikum näher. Zudem bieten die Bände mit oder ohne Schutzumschlag auch für das Auge einen angenehmen Anblick.
Als Otto Gruppe, der Sohn Otto Friedrichs, zum 100. Geburtstag seines Vaters eine Auswahl aus dessen Gedichten herausgab, stand der hier als Philosoph, Dichter, Philologe charakterisierte Gelehrte noch unter dem Bannstrahl seines ehemaligen Lehrers August Böckh, der 1852 Gruppe als Experte griechischer Geistesgeschichte disqualifiziert hatte. Die Schrift, die anlässlich des 200. Geburtstag neben deutschen auch französische, italienische und englische Artikel bringt, will zur Rehabilitierung Gruppes als Philosoph und Philologe beitragen. Einige Artikel befassen sich mit Gruppes philosophischen Arbeiten, die den dezidierten Gegner Hegels als Sprachphilosophen und Logiker würdigen. Auf philologischem Gebiet befasste sich Gruppe mit den Sulpicia-Elegien Tibulls, was ihn zum "father of Sulpician scholarship" machte, mit Hesiod und den Pythagoreischen Schriften des Archytas, auf dem Gebiet der Mythologie mit dem Ariadne-Stoff in seinem Werk "Ariadne", in dem es um die Entstehung der klassischen Tragödie geht. Das dichterische Wirken (seine Gedichte waren 1835 erschienen) steht hier wie gesagt nicht im Vordergrund; doch bringt gerade ein Artikel über die Beziehung Gruppes zur englischen Novellistin George Eliot und deren Partner G. H. Lewes interessante Einschätzungen der Engländerin über den "admirable man", der "is enthusiastic about Boar-hunting". Unser Kollege Stefan Stirnemann steuert einen informativen Artikel über "Die Kunst des Übersetzens" bei, in dem er, ausgehend von der Freude Gruppes "Ovid in deutsche Hexameter zu übersetzen", Überlegungen zum deutschen Hexameter macht. Dazu benützt er sowohl Gruppes Schrift zur Kunst des Übersetzens (1866) wie auch Andreas Heuslers "Deutsche Versgeschichte" (1925-27) und C. Blümleins "Die Floia und andere deutsche makkaronische Gedichte" (1900). Für Unterrichtende lohnt es sich, curiositatis und instructionis causa gelegentlich in diese Bücher hineinzuschauen, die viel anschauliches Material bieten, das im Unterricht das für viele Schülerinnen und Schüler schwierige Lesen von Versen etwas mildern helfen kann. Der ganze Band bietet mit seinen 15 Artikeln allen, die sich für die Geschichte und Entwicklung der Philologie und Geisteswissenschaft im 19. Jahrhundert interessieren, reiches Material in gut lesbarer, angenehmer Art.
Das Büchlein, das ich hier bespreche, ist schön und ich halte es gern in der Hand. Der Druck ist klar, die Schrift gut lesbar, die fünf Bilder (schwarz-weiss; drei von H. Daumier) der Ausstattung des Buches entsprechend.
Der Haupttitel ist der wohl bekanntesten Diogenes-Episode entnommen, die den Reigen der gebotenen Episoden und Anekdoten (erstes grosses Kapitel), Aphorismen, Zitaten und Aussprüchen (zweiter Hauptteil) eröffnet. Die einzelnen Einträge reichen vom kürzesten Spruch (fünf Wörter: "Alles ist voll von Gott") bis zum 50 Zeilen langen Abschnitt über den Weg zum Glück. Die erwähnten fünf Bilder sind an den entsprechenden Stellen eingefügt und erhalten am Buchende S. 79 auch einen Bildnachweis. Es blieb mir aber unklar, warum "Das Lächeln der Auguren" auf S. 76 ohne eine Textentsprechung blieb.
Doch gehen wir der Reihe nach: Im kurzen Vorwort von Hans Schöpf wird der Leser zum ersten Mal konfrontiert mit der schillernden Titelfigur und ihrer nicht weniger unterschiedlichen Bewertungen durch Zeitgenossen und später Geborene (z.B. Revolutionär, Aussteiger, ernsthafter Denker, philosophischer Clown). Es wird auch das Ziel dieses Büchleins klar umrissen: Es soll "in erster Linie der Unterhaltung dienen". (S. 11)
In der darauf folgenden Einleitung von Gerhard Fink wird dieses Ziel am Schluss noch einmal bekräftigt: Zum Lachen und zum Nachdenken soll das Büchlein Gelegenheit bieten (S. 21). Die Einleitung selbst verschafft einen guten, knappen Überblick; darin kommen unter anderem das Verhältnis von Diogenes zu seinen Zeitgenossen, einige Müsterchen aus der reichen Anekdotensammlung, Interpretations- und Quellenprobleme zur Sprache.
Von diesen einleitenden Texten unterscheiden sich die folgenden zwei Hauptteile grundsätzlich durch ihre kontextlose, thematisch sehr lockere Aneinanderreihung von Zitaten. So wie diese Teile aufgebaut sind, laden sie zum Stöbern und Schnuppern ein. Die Überschriften zu den einzelnen Einträgen dienen dabei als Lockvögel, von denen man sich gern (ver)leiten lässt! Sie sind fast durchwegs treffend gewählt.
Es stellt sich die Frage, ob hier die gesamten bekannten Sprüche und Anekdoten von und über Diogenes geboten werden; dazu wird nirgends eine Aussage gemacht, wobei der Klappentext nahe legt, es handle sich um die vollständige Sammlung ("versammelt die Anekdoten und Aphorismen"). Tatsächlich ist es aber nur eine Auswahl.
Was schade, ja in meinen Augen ein Mangel ist: Die Sprüche werden nirgends nachgewiesen. Man wüsste manchmal gerne den Originalwortlaut des referierenden Autors, doch so gestaltet sich das Nachforschen umständlich und schwierig. Auch wäre hie und da eine Erklärung angezeigt (z.B. S. 51/52: Lakedaimon - Athen / Männergemächer - Weibergemächer), besonders wenn man bedenkt, dass das Büchlein nicht unbedingt an Fachleute mit entsprechendem Hintergrund gerichtet ist.
Druckfehler gibt es im gesamten Text fast keine; der einzige, den ich gefunden habe, ist "Speuisppos" auf S. 58.
Das Büchlein eignet sich gut als Geschenk und kann im Unterricht als Fundgrube dienen, falls man nicht-originalsprachlich einen Diskussionsanstoss geben will.
In diesem Band ergänzt G. Schneeweiss seine bereits 1966 publizierte Sammlung der Fragmente des Protreptikos mit einer Übersetzung (S. 57-155) und einer ausführlichen Einleitung (S. 9-55). Die Einleitung behandelt u.a. die literarische Gattung und die Überlieferung, die Weiterwirkung, die modernen Theorien über den Protreptikos, das Problem der Datierung, die eigene Rekonstruktion des Protreptikos und seine Philosophie.
Ich möchte zunächst auf die Charakteristik der vorliegenden Ausgabe hinweisen. Schneeweiss bietet eine neue Rekonstruktion des Protreptikos aufgrund der von ihm identifizierten Fragmente. Sie ist auf den S. 33f. schematisch dargestellt. Schneeweiss zählt nicht nur die bei späteren Schriftstellern gefundenen Fragmente zum Protreptikos, sondern identifiziert Fragmente auch in Aristoteles' Pragmatien. "Dass Aristoteles auf seinen Merkzetteln auch Stellen seiner veröffentlichten philosophischen Grundschriften, auf die er sich bezog, aufgezeichnet hatte, ist als sicher anzunehmen. Und so gingen hier (d.h. im Protreptikos) als stilistische Glanzlichter Eigenzitate des Aristoteles aus seinen 'exoterischen' Schriften ein." (S. 32). Die Untersuchung, wie plausibel dies ist, kann hier nicht geleistet werden, sondern muss jedem Lesenden selbst überlassen bleiben. Düring hat 1969 in seiner Ausgabe des Protreptikos (S. 19) die Aufnahme solcher Stellen durch Schneeweiss kritisiert. Es ist nicht erstaunlich, dass Schneeweiss aufgrund seiner Rekonstruktion zum Schluss kommt, dass sich im Protreptikos keine Widersprüche zu den aristotelischen Lehrschriften finden lassen (S. 55).
An zweiter Stelle gehe ich kurz auf mögliche Ansatzpunkte zur Behandlung im Unterricht ein: So kann der Nachweis der Notwendigkeit der Philosophie in Frg. 38 behandelt werden: "Ist man also der Meinung, man müsse philosophieren, so muss man es eben. Aber auch wenn man der Meinung ist, man dürfe es nicht, muss man dennoch philosophieren. In jedem Fall muss man also philosophieren." Ebenso Teile von Frg. 81 über die Erfüllung des menschlichen Lebens. Auch die Schülerinnen und Schüler können hier wie die Lehrer und Bildungspolitiker, denen Schneeweiss den Protreptikos zur Pflichlektüre machen möchte (S. 7), Aristoteles' Konzeption einer auf das Wesen des Menschen bezogenen Bildung kennen lernen. Ob sie diese Konzeption auch übernehmen wollen, wie Schneeweiss empfiehlt, muss ihnen überlassen bleiben.
Der Band ist ausgestattet mit einem Vorwort (S. 7f.), einer Konkordanz der Fragmentzählungen (S. 156-9), Erläuterungen zur Textgestaltung (S. 160-82), einer Bibliographie (S. 183-7), die sich auf Ergänzungen zu den ausführlichen Bibliographien in I. Düring (1961) und Schneeweiss (1966) beschränkt, und Anmerkungen zur Einführung (S. 188-278).
Wie baute man Strassen? Wie wurden Dächer konstruiert? Wie und wo legte man Grabbauten an? Wie wurden sie ausgeschmückt? Was gab es für Sportanlagen, Lagerbauten, Befestigungsbauten, Belagerungsbauten, Paläste, Bibliotheken, Treppenanlagen, Brunnenanlagen, Kanäle, Pinakotheken? Wie wurden Städte geplant? Wie wurden Projekte ausgeschrieben? Welche Rolle fiel dem antiken Architekten zu? Das sind nur ein paar wenige Fragen, die aus dem neuen Handbuch antiker Architektur herausgegriffen sind und die der an der ETH lehrende, durch mehrere Publikationen (Ringhallentempel von Agrigent, Phidias, Antikes Rom, Griechische Antike) bekannte Autor mit grösster Sachkenntnis (im Alleingang!) behandelt hat. Unter antiker Architektur ist hier die Architektur der klassischen Antike Griechenlands, Roms und der Etrusker, gelegentlich auch der Kelten, zu verstehen, im wesentlichen konzentriert auf den Zeitraum von 900 v.Chr. bis um 500 n.Chr., doch wird auch ausgegriffen in die Rezeptionsgeschichte ("Greek Revival" im 18. und 19. Jh., Siegessäule in Berlin, Ruhmessäule auf der Place Vendôme) und zurückgegriffen auf die Vorgeschichte (kretisch-minoische Säule, mykenische Kuppelgräber). Gesamtübersichten über Architektur allgemein, deren Forschungs- und Betrachtungsgeschichte, ihre Rolle als Repräsentationsmedium und Bedeutungsträger, ihre Funktionsbereiche, über Bauwesen, Städtebau, Militärarchitektur, Sakralbau oder Wohnungsbau wechseln mit Spezialartikeln über Vereinsbauten, Wasserversorgung, das Pantheon oder den Parthenon. Man kann sich informieren über Bauornamentik, Bauelemente (Fassade, Podium, Gewölbe, Säulen, Giebel, Fenster, Fussboden, Fundament), Bautypen, Baumaterialien (Granit, Asphalt, Stuck, Zement, Spolien), Bautechnik (Flaschenzug, Fachwerk) und sich selber prüfen, wie weit man die Termini technici beherrscht: Grammé (Startlinie im Stadion) als Teil der Balbís oder der Hysplex (Start- und Zieleinrichtung), Ustrinum (Krematorium), Hestiatorion (Bankettbau), Katagogeion (Versammlungsbau), Maenium (Aussichtstribüne) und vieles mehr, denn es stehen rund 600 Lemmata zur Verfügung. Weder die Sprachgeschichte der architektonischen Termini, der Bedeutungswandel von Begriffen wie Fornix (von "Bogen" zu "Bordell") noch temporäre Bauten wie Zelte, Kulissen oder als Grabbau gestaltete Leichenwagen (Alexanders des Grossen) sind vergessen. Die vielen Pläne, Karten, Diagramme, Schemata bringen die Eigenart der architektonischen Typen und Elemente besser zur Anschauung als jedes Hochglanzphoto. Die Literaturangaben zu jedem Stichwort sind vorbildlich auf das Wesentliche beschränkt. Ein ungewöhnlich reichhaltiges, auch für Schülerinnen und Schüler gut verständliches Nachschlagewerk, überflüssig zu sagen, wo es hingehört.
Nach dem Spektakulären das Unscheinbare, nach über 20 kg Silber ein kleiner Messingring, praktisch ohne Materialwert. Und doch hat auch dieser seine Monographie bekommen. Er zeigt nämlich die Menora, den siebenarmigen Leuchter, zwischen zwei Symbolen des Laubhüttenfestes und gehört damit zu den recht seltenen Zeugnissen jüdischen Lebens nördlich der Alpen in der Antike. Man würde gerne einen Roman schreiben, wie der Ring in den Augster Boden gekommen ist - aber eben, es müsste ein reiner Roman bleiben. Der Ring selbst verrät uns nur wenig: Wir wissen nicht einmal sicher, ob es sich um einen Frauen- oder einen Männerring handelt. Typologisch gehört er ins 4. Jh., gefunden wurde er aber in einer älteren Schicht, in die er jedoch wie auch Münzen des 4. Jh. eingesickert zu sein scheint.
Für die Bearbeitung konnte Ludwig Berger, der Verfasser des wissenschaftlichen Führers von Augst, gewonnen werden. In einem ersten Teil behandelt er den Ring selbst. Teil II ist den Spuren der Anwesenheit von Juden zwischen Britannien und Pannonien (Ungarn) gewidmet. Dabei stellt sich zum Schluss die interessante Frage, ob es wie in Spanien und Südfrankreich eine Kontinuität jüdischen Lebens bis ins Mittelalter gegeben hat (für Köln kann dies wenigstens wahrscheinlich gemacht werden). Teil III enthält den Katalog jüdischer Zeugnisse im bearbeiteten Raum.
Stellvertretend für die übrigen Mitarbeiter sei hier unser Kollege Bruno W. Häuptli genannt, der für Teil III die schriftlichen Testimonien, vor allem Rechtsquellen und Passagen aus Kommentaren des Kirchenvaters Hieronymus, bearbeitet und übersetzt hat.
Die Menora wird als Tempelgerät erst im 2. Jh. v. sicher greifbar. Im 4. Jh. n. ist sie 'die plakative jüdische Antwort auf die omnipräsenten christlichen Symbole Christogramm und Kreuz'. So wie von den christlichen Symbolen 'die erfolgte Ankunft des Erlösers propagiert wird, so wird von jüdischer Seite mit der Darstellung der Menora nachdrücklich auf das erst zukünftige Kommen des Messias und den damit verbundenen Wiederaufbau des Tempels verwiesen' (Quizfrage: Warum spricht man von der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer? Welcher Tempelbau wird da nicht gezählt, der nachexilische oder der des Herodes?). Umgedeutet konnte später die Menora auch zum christlichen Symbol werden (S. 30-34).
Anhänge und Register vervollständigen die opulent ausgestattete, konsequent zweisprachige (deutsch und englisch) Publikation - die Zusammenfassungen finden sich zusätzlich in einer französischen und italienischen Version.
Die archäologische Forschung hat in den vergangenen fünf Jahrzehnten mit der Deutung mythologischer Bilder eine reiche Ernte an Einzeluntersuchungen, Gesamtdarstellungen und Nachschlagewerken eingefahren. Zu erinnern ist an das Lebenswerk Karl Schefolds, der als Protagonist dieses Forschungszweigs mit seiner fünfbändigen Reihe "Geschichte der griechischen Sagenbilder" Masstäbe setzte und als Initiant das monumentale LIMC (Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae) zu realisieren wusste. Nun ist es an der Zeit, sich über Ergebnisse und Methoden Rechenschaft zu geben. Das ist in jüngster Zeit mehrfach in umfangreichen, beinahe gleichzeitig erschienenen Monographien geschehen (Susan Woodford, Images of myths in classical antiquity, Cambridge 2003, 305 S.; Jocelyn Penny Small, The parallel worlds of classical art and text, Cambridge 2003, 253 S.; Luca Giuliani, Bild und Mythos: Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst, München 2003, 366 S.). Der in Mainz dozierende Autor der vorliegenden Einführung nähert sich in sechs didaktisch zu verstehenden Schritten mit steigendem Schwierigkeitsgrad seinem Gegenstand: Fallbeispiel Achill und Patroklos, Definition von Mythos und Mythenbild, sprachliche und bildliche Mythenproduktion, Denkmäler und Funktionsbereiche, Interpretationsmethoden, Inhalte und Intentionen, wobei an einzelnen Beispielen wiederholt die verschiedenen Methoden des Zugangs zu den Objekten unter Berücksichtigung des kulturellen und sozialen Kontexts mit grosser Umsicht erläutert werden. Der mitunter wortreich geführte, der Gefahr der Überinterpretation nicht stets entgangene Diskurs zeichnet die Diskussionslinien nach, erklärt das Instrumentarium der Deutungsmöglichkeiten und zeigt ihre Begrenzung auf. Anders, als der Buchtitel vermuten liesse, ist auch die römische Bildwelt einbezogen, sofern sie, was ja gewöhnlich der Fall ist, auf griechische Mythen zurückgreift. Als äusserst hilfreich erweist sich die nach Themen gegliederte Literaturliste, die den gezielten Zugriff sowohl auf popularisierende wie auf die spezialisierte Fachliteratur erlaubt.
Auf der Grundlage des Werkes "Cursus Romanus", einer umfangreichen römischen Kulturgeschichte in 28 Kapiteln mit 500 Dias, schrieb Hans Widmer schon vor einem Jahrzehnt sein Buch "Römische Welt" mit denselben Themen und 155 dieser Dias. Der nun vorliegende Band 2 des "Cursus Romanus" bietet diese Bilder als farbige Folien; dazu kommen 25 Farbbilder über das römische Germanien und die Schweiz, die in der zusätzlichen Lektion 29, die als Ergänzung zu Kapitel 1 gedacht ist, auf 16 Seiten behandelt werden. Diese Lektion besteht aus Ausschnitten früherer Werke, nämlich aus
sowie optimalen ausführlichen Erläuterungen zu diesen zusätzlichen 25 Bildern. Insgesamt bietet das neue Werk somit 180 Farbbilder auf 90 Folien; teilweise handelt es sich um Reproduktionen, teils stammen sie vom Autor selbst.
Die 28 Kapitel des früheren Buches behandeln u.a. die Ursprünge Roms, die römische Baukunst (Straßen, Hausbau, Thermen, öffentliche Einrichtungen verschiedener Art), das Alltagsleben (Medizin, Schule, Militär, Spiele, Sklaven), die Religion (Götter, Tempel, Opfer, Mythologie) usw.
Das neue Werk ist wie die älteren hervorragend für den Lateinunterricht geeignet, den es in brillanter Weise zu veranschaulichen vermag. Das reiche Bildmaterial beinhaltet Einzelobjekte (z.B. Statuen, Werkzeuge, Mosaike, Inschriften, Münzen u.v.a.), Gebäude, Karten, Lagepläne, Rekonstruktionen usw., die den somit nur scheinbar hohen Preis des sehr empfehlenswerten Werkes ohne weiteres rechtfertigen.